In der 3. Folge von "De facto, de jure, de Taiwan? – Die Taiwanfrage zwischen Recht, Politik und Identität" richtet Diplomjuristin und Visiting Researcher Vivienne Essig den Blick auf Taiwans besondere Stellung in der internationalen Gemeinschaft: Wie kann eine demokratisch regierte Insel mit eigener Verfassung, eigener Währung und mehr als 23 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern international zugleich so präsent und doch politisch nahezu unsichtbar sein?
Ausgehend von den völkerrechtlichen Kriterien der Staatlichkeit zeichnet die Folge nach, wie Taiwan 1971 seinen Sitz in den Vereinten Nationen verlor und wie sich seine internationale Position seitdem entwickelt hat. Im Mittelpunkt stehen die UN-Resolution 2758, das Verhältnis zur Volksrepublik China, die Rolle der USA und die Frage, was eigentlich gemeint ist, wenn in der Taiwanstraße immer wieder vom Erhalt des Status quo gesprochen wird. Gleichzeitig zeigt die Folge, wie Taiwan trotz fehlender diplomatischer Anerkennung ein dichtes Netz internationaler Beziehungen aufgebaut hat und durch seine wirtschaftliche und technologische Bedeutung weltweit Einfluss ausübt.
Zu Gast in dieser Folge ist Prof. Yu-Jie Chen, Völkerrechtlerin an der Academia Sinica. Im Gespräch gibt sie Einblicke in die aktuelle Krise des Völkerrechts, Taiwans völkerrechtlichen Status, den wachsenden militärischen und politischen Druck durch China sowie die Bedeutung der USA für Taiwans internationale Sicherheit. Dabei geht es auch um die Frage, wie lange der fragile Status quo Bestand haben kann – und wie Taiwan versucht, auf der internationalen Bühne sichtbar zu bleiben, obwohl es von vielen ihrer wichtigsten Institutionen ausgeschlossen ist.
Wer noch mehr über zukünftige Projekte zwischen Deutschland und Taiwan erfahren möchte, findet das Interview von Ilon Huang zum Amtsantritt mit Karsten Tietz, dem Generaldirektor des Deutschen Instituts in Taipei, hier: https://www.rti.org.tw/de/programnews?uid=4&pid=87299