Heute gehören über 98 % der Bevölkerung Taiwans zur ethnischen Gruppe der Han – den sogenannten Han-Taiwaner und -Taiwanerinnen. Die heutige Han-Mehrheitsgesellschaft ist das Ergebnis eines langen historischen Prozesses. Denn bevor im 17. Jahrhundert Han-Siedler und europäische Kolonialmächte auf der Insel eintrafen, war Taiwan vor allem von indigenen austronesischen Völkern bewohnt.
Stämme wie die Atayal, Amis oder Siraya lebten über Jahrhunderte hinweg in eigenen gesellschaftlichen Strukturen, mit eigenen Sprachen und Traditionen. Erst mit dem Beginn der niederländischen Kolonialzeit und vor allem unter der Qing-Dynastie veränderte sich das gesellschaftliche Gefüge der Insel grundlegend – und markiert den Beginn einer Form von Kolonialismus, die zunehmend in den Fokus der Forschung rückt: der Siedlerkolonialismus.
Gemeinsam mit Dr. Chang Lung-chih, Historiker an der Academia Sinica und Direktor des National Taiwan History Museum in Tainan, sprechen wir über die Transformation Taiwans im 17. bis 19. Jahrhundert, über Migration, die Politik der Qing und vor allem über den Siedlerkolonialismus.