Kürzlich berichtete die Korea Economic Daily, dass Taiwan laut Prognosen von Behörden in Taipeh und Seoul im Jahr 2025 zum ersten Mal seit 22 Jahren Südkorea beim Pro-Kopf-BIP überholen dürfte. Dem Bericht zufolge werde Taiwans Pro-Kopf-BIP in diesem Jahr 38.066 US-Dollar erreichen, während es in Südkorea bei 37.430 US-Dollar liegen wird.
Dazu soll Taiwan im kommenden Jahr voraussichtlich ein Pro-Kopf-BIP von über 40.000 US-Dollar erreichen – also auf dem Niveau von Ländern wie Spanien, Japan oder Slowenien.
Doch hinter diesem beeindruckenden Wirtschaftswachstum verbirgt sich ein Widerspruch: Die tatsächlichen Löhne der taiwanischen Arbeitnehmer bleiben weit zurück. Das schreibt Roy Ngerng, ein Journalist, der über Lohn- und Sozialfragen schreibt, außerdem als Gewerkschaftsaktivist tätig ist und von den Vereinten Nationen zum Menschenrechtsverteidiger ernannt wurde.
In diesem zweiteiligen Beitrag geht es zunächst um etwas, das man vielleicht mit einer Art von Wohlstandsparadox beschreiben könnte, d.h. in diesem Fall, dass sich das so deutlich gestiegene Pro-Kopf-BIP so wenig auf das tatsächliche Einkommen der regulären Bevölkerung auswirkt.
Im Zweiten Teil in der kommenden Woche geht es dann um Ursachen und Auswege, wie sie von Roy Ngerng beschrieben werden.