Im Jahr 1895 wurde Taiwan zur ersten Kolonie des aufstrebenden japanischen Kaiserreichs. Es folgten fünfzig Jahre autoritärer Kolonialherrschaft, in denen sich Taiwan zur sogenannten „Modellkolonie“ entwickeln und die Errungenschaften des Kaiserreichs durch Modernisierung und Bildung demonstrieren sollte.
Die japanische Kolonialzeit war jedoch geprägt von kolonialer Gewalt, erzwungener Assimilation und der Unterdrückung der taiwanischen Gesellschaft und Identität, mit Auswirkungen, die im heutigen Taiwan noch immer spürbar sind.
Gemeinsam mit meinem Kollegen Ilon Huang thematisieren wir in dieser Folge diese Phase der Geschichte und sprechen über die persönlichen Erfahrungen seiner Familie: über seinen Vater und seinen Großvater, die beide unter japanischer Herrschaft lebten.
Zur Sendereihe "Von Formosa zu Taiwan: Eine Geschichte des Kolonialismus":
Um das Taiwan von heute zu verstehen, muss man einen Blick in die Vergangenheit werfen. Die Insel war über 400 Jahre lang verschiedenen Formen der Fremdherrschaft ausgesetzt: von den niederländischen und spanischen Kolonialmächten im 17. Jahrhundert, über den Siedlerkolonialismus der Qing-Dynastie, bis hin zur imperialen Expansion Japans und der autoritären Herrschaft der Kuomintang nach dem Zweiten Weltkrieg. Eines wird dabei deutlich: Kolonialismus ist ein zentrales Element in der Geschichte Taiwans. In dieser Sendereihe gehen wir den Spuren dieser kolonialen Regime nach. Wir beleuchten ihre Merkmale, ihre Auswirkungen und fragen, wie sie das heutige Taiwan geprägt haben.
Eine Sendereihe Praktikant von Tobias Kraller
Eine Blick hinter die Kulissen zu dieser Sendereihe gibt es hier zu erhaschen: https://www.rti.org.tw/de/programnews?uid=4&pid=81842 (Leben in Taiwan: Tobias Kraller im Interview: Von der Idee bis zur fertigen Sendereihe - Kolonialgeschichte und Identität Taiwans im Fokus)