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Proteste gegen Müllverbrennungsanlage in Mingjian

Zwar ist Taiwan längst nicht mehr als "Garbage Island" bekannt, doch mancherorts türmen sich dennoch Müllberge, wie hier auf der Insel Penghu. (Foto: CNA)
Zwar ist Taiwan längst nicht mehr als "Garbage Island" bekannt, doch mancherorts türmen sich dennoch Müllberge, wie hier auf der Insel Penghu. (Foto: CNA)

Mingjian im Landkreis Nantou ist eines der wichtigsten Anbaugebiete für taiwanischen Tee, doch nun soll ausgerechnet dort eine Müllverbrennungsanlage gebaut werden. Warum es dagegen Proteste gibt, erzählt Simon Chang im Rti-Interview. 

Bis in die 90er Jahre war Taiwan noch als “Garbage Island”, also “Müllinsel” bekannt. Auf zahlreichen Mülldeponien türmten sich stinkende Abfallberge; es kam zum Teil zu heftigen Protesten von Anwohnern, die sich um Auswirkungen auf Menschen und Umwelt sorgten.

Daraufhin wurden Müllverbrennungsanlagen gebaut und Mülltrennung eingeführt. Heute hat Taiwan eine der höchsten Recyclingquoten weltweit; fast 60% des Abfalls wird recycelt. Der Rest wird fast vollständig verbrannt - und das ist nicht unumstritten. Immer wieder gibt es Proteste gegen den Bau von Müllverbrennungsanlagen. So auch im Landkreis Nantou. 

Simon Chang (常行深) betreibt den instagram-Account “theteaoryofeverything”. Dabei verbindet er Videos über Tee mit Videos über taiwanische Politik. Eines der Themen, dem er sich dabei widmet, ist der Bau einer Müllverbrennungsanlage in Mingjian im Landkreis Nantou. Diese könnte sich nämlich negativ auf die Qualität des dort produzierten Tees auswirken.

“Das Hauptproblem mit dieser Müllverbrennungsanlage ist, dass sie genau neben wichtigen Anbaugebieten für Bubble Tea und Flaschen-Tee gebaut wird. Wenn sie erstmal gebaut wird, wird sich das nicht nur auf die Lokalbevölkerung auswirken. Da es nämlich das Anbaugebiet für den Tee der ganzen Insel ist, wird es sich auf die ganze Insel auswirken.“

Er macht der Lokalregierung vor Ort schwere Vorwürfe.

“Die Regierung des Landkreises Nantou hat aber keine Absicht zu kommunizieren, warum sie die Müllverbrennungsanlage dort bauen. Alles was sie versuchen zu sagen, ist, dass es den Regelungen entspricht. Aber wenn du deinen gesunden Menschenverstand benutzt, ist klar: Warum baust du eine Müllverbrennungsanlage direkt neben einem Hauptanbaugebiet für Tee in Taiwan? Was ist deine eigentliche Absicht?”

Simon sagt:

“Die Müllverbrennungsanlagen in Taiwan reichen eigentlich aus, um den ganzen Müll der Insel zu verbrennen. Das große Problem ist, wenn ein Landkreis versucht, seinen Müll zu einem anderen Landkreis zu senden. Der andere Landkreis wird den Müll normalerweise zurückweisen, selbst wenn sie Kapazität hätten, den Müll zu verbrennen. 

Es gibt nur zwei Landkreise in Taiwan die keine eigene Müllverbrennunganlage haben. Das sind zum einen Nantou, worüber wir heute reden, und Hualien.”

Ursprünglich hatte der damalige Premierminister von Taiwan Hau Pei-tsun (郝柏村) 1991 eine Initative gestartet, in jedem Landkreis Taiwans eine Müllverbrennungsanlage zu bauen. Mitte der 2000er Jahre dann entschied jedoch der neue Premierminister Frank Hsieh (謝長廷), die geplanten Müllverbrennungsanlagen in Nantou, Hsinchu und Hualien zu streichen - stattdessen sollten sich Landkreise gegenseitig helfen, den Müll zu verbrennen. 

Das funktioniert aktuell aber nur mit mäßigem Erfolg. Zwar haben die 28 bestehenden Müllverbrennungsanlagen in Taiwan eigentlich genügend Kapazität, den gesamten anfallenden Haushaltsmüll zu verbrennen. Aber nicht jeder ist scharf darauf, den Müll seiner Nachbarn zu beseitigen. Eigentlich ganz verständlich, oder?

Das Hin- und Hergeschiebe des Mülls ist politisch komplex. Das Commonwealth Magazine schreibt im September 2024, wie der Landrat des Landkreises Hsinchu seine persönlichen Beziehungen zum Landkreis Miaoli nutzte, um dort 100 Tonnen Müll pro Tag verbrennen zu lassen. Das ging zu Lasten des Landkreises Nantou, dessen Müllverbrennungsvolumen in Miaoli entsprechend um 100 Tonnen Müll reduziert wurde. Für Müllverbrennungsanlagen ist es zudem finanziell rentabler, Gewerbeabfälle zu verbrennen, anstatt Haushaltsmüll.

Ein Vertreter des Umweltministeriums argumentiert, dass jeder Landkreis seine eigenen Abfallbeseitigungsanlagen bräuchte. Langfristig könne man sich nicht auf andere Landkreise verlassen und sich bei Problemen an die Zentralregierung wenden. 

Der Dorfbürgermeister von Mingjian Chen Han-li (陳翰立) sieht das anders. Schließlich würden andere Landkreise ja auch von den Wasserressourcen aus Nantou profitieren.

Schauen wir uns einmal die Zahlen an: Nantou produziert pro Tag 250 bis 260 Tonnen Müll. Aktuell wird aber nur die Hälfte davon zur Verbrennung in andere Landkreise geliefert. Die andere Hälfte wird auf diversen Deponien zwischengelagert. Insgesamt 260 000 Tonnen Müll in Nantour warten aktuell auf solchen Deponien darauf, beseitigt zu werden – und es werden immer mehr.  

2022 hatte die Regierung von Nantou eigentlich entschlossen, im Ort Zhushan (竹山) eine Anlage zur Herstellung von Ersatzbrennstoffen aus Müll zu bauen. 2024 dann jedoch fiel die Entscheidung, stattdessen eine Müllverbrennungsanlage in Mingjian zu bauen. Simon meint, das sei jedoch nicht die Lösung. 

“Das Lustige ist, es gibt viel mehr Wege, mit Müll umzugehen. Das erste ist, du versuchst, weniger Müll vor Ort zu erzeugen. Es gibt eine Abgeordnete, Frau Frida Tsai (蔡培慧), von der Demokratischen Forschrittspartei (DPP). Sie hatte einen Plan vor ein paar Jahren, Finanzmittel von der Zentralregierung zu bekommen, um bei der Abfallverwertung zu helfen: um den Müll richtig zu recyceln und verpacken, und am wichtigsten: um den Müll der produziert wird zu reduzieren, indem man den Anwohnern Anreize setzt, weniger Müll zu produzieren.

Aber das Lustige ist, die Regierung des Landkreises Nantou hat das bei einer öffentlichen Anhörung alles ignoriert. Sie ignorieren alles davon. Und als sie gefragt wurden, wann fangt ihr an mit Maßnahmen, das Abfallaufkommen zu reduzieren, antworteten sie, wir machen das, nachdem die Müllverbrennungsanlage gebaut ist.”

Simon ist der Meinung:

“Erstens, es gibt keinen Bedarf, weitere Müllverbrennungsanlagen zu bauen. Es gibt heutzutage viel bessere Wege, mit Müll umzugehen. Aber wir sehen das nicht in diesem Fall. 

Und zweitens, der Ortsbürgermeister Herr Chen, sie haben einen viel angemesseren Platz für die Müllverbrennungsanlage gefunden. Aber die Landrätin des Landkreises Nantou will nicht zuhören. Sie wollen das durchführen, was sie eben durchführen wollen.”

Die Bewohner demonstrieren allerdings weiter, gemeinsam mit ihrem Dorfbürgermeister. Am Ende geht es in diesem Fall um Vertrauen, Transparenz und Kommunikation. Und die seien aktuell nicht gegeben, sagt Simon:

“Aber weißt du, es ist wie Chernobyl. Es ist immer sicher und sauber, bis etwas passiert. Und ich glaube nicht, dass es das Risiko wert ist, das wichtigste Teeanbaugebiet in Taiwan zerstören, besonders wenn die Kommunikation so ist. Ich glaube nicht, dass es vertrauenswürdig ist.”

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