Kann eine Maschine denken oder tut sie nur so? Und was sagt diese Frage über unser eigenes Verständnis von Denken, Verstehen und Leben aus? In dieser Folge spricht Alexander Kunz mit Christian Wenzel, Professor für Philosophie an der National Taiwan University, über genau diese grundlegenden Fragen.
Ausgehend von Wenzels ungewöhnlichem akademischem Werdegang, von der Mathematik zur Philosophie und von Deutschland über die USA nach Taiwan, entfaltet sich ein Gespräch über Immanuel Kant, Ästhetik, Ethik und die großen Leitfragen der Philosophie. Was ist Wissen? Was heißt Denken? Und worin unterscheidet sich menschliches Verstehen von künstlicher Intelligenz? Dabei wird deutlich, warum philosophische Begriffsarbeit gerade im Zeitalter von KI unverzichtbar ist.
Ein Schwerpunkt der Episode liegt auf der aktuellen Entwicklung künstlicher Intelligenz. Wenzel erklärt, warum die entscheidende Frage nicht lautet, wie leistungsfähig KI-Systeme sind, sondern was wir überhaupt unter Denken, Verstehen und Leben verstehen. Er spricht über den Turing-Test, über die Simulation von Intelligenz und über ethische Risiken einer technik- und profitorientierten KI-Entwicklung, auch im geopolitischen Kontext.
Zum Abschluss richtet sich der Blick auf den Alltag. Christian Wenzel zeigt, wie philosophische Ansätze ganz konkret helfen können, das eigene Leben bewusster zu gestalten. Anhand klassischer Texte, etwa aus der Stoa oder der antiken Ethik, gibt er Denkanstöße dazu, wie man Gewohnheiten hinterfragt, Selbstverständlichkeiten neu bewertet und den Blick auf das Wesentliche schärft. Philosophie erscheint hier nicht als abstrakte Disziplin, sondern als praktische Orientierung für ein reflektiertes Leben.