Neuer Merck-Standort in Kaohsiung soll Taiwans Chip-Packaging-Lieferkette stärken
Der deutsche Chemie- und Technologiekonzern Merck hat in Kaohsiung eine neue Produktionsstätte für Halbleitermaterialien eröffnet. Branchenanalysten erwarten, dass der Standort die nachgelagerte Halbleiter-Lieferkette in Taiwan deutlich stärkt.
Merck investierte rund 18,4 Milliarden Taiwan-Dollar, umgerechnet etwa 586 Millionen US-Dollar, in die Anlage mit einer Fläche von rund 150.000 Quadratmetern. Es handelt sich um den weltweit größten Campus des Unternehmens für Halbleitermaterialien. Ziel ist es, die wachsende Nachfrage nach modernen Chips für Künstliche Intelligenz und Hochleistungsrechner zu bedienen. In Kaohsiung produziert Merck künftig Dünnschichtmaterialien, Spezialgase und Chemikalien, die vor allem im sogenannten Back-End der Chipfertigung eingesetzt werden – also beim Verpacken und Testen von Halbleitern. Besonders profitieren dürften taiwanische OSAT-Unternehmen wie Advanced Semiconductor Engineering, Powertech Technology und King Yuan Electronics. Durch die lokale Materialversorgung werden Lieferketten zuverlässiger und Lieferzeiten kürzer. Der neue Standort liegt in unmittelbarer Nähe zu einer bestehenden Merck-Anlage und fertigt hochreine Materialien für moderne Logik- und Speicherchips sowie für fortschrittliche Verpackungstechnologien wie 2.5D- und 3D-Integration. Analysten sehen in der Investition einen wichtigen Schritt zur Lokalisierung und Stabilisierung von Taiwans Halbleiter-Lieferkette und erwarten langfristig mehr Wettbewerbsfähigkeit für die Branche.
Edge-KI treibt Umsatzwachstum bei taiwanischen IPC-Unternehmen voran, da Betreiber aktiv nach Softwarepartnern im KI-Bereich suchen
Die globale Industrie-PC-(IPC-)Branche zeigte in der ersten Hälfte des Jahres 2025 eine deutliche Erholung. In Taiwan ansässige IPC-Hersteller erzielten in diesem Zeitraum einen Gesamtumsatz von 162,9 Mrd. NT$ (5 Mrd. Euro), was laut einer Schätzung von DIGITIMES einem Wachstum von 13,6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieses Ergebnis bestätigte, dass der IPC-Markt die Phase einer niedrigen Ausgangsbasis hinter sich gelassen hat und wieder auf einen stabilen Wachstumspfad zurückgekehrt ist. Darüber hinaus übertrafen kleine und mittelgroße taiwanische IPC-Unternehmen – unter Ausschluss der Tier-1-Großanbieter (mit Umsätzen von über 50 Mrd. NT$) – den Branchendurchschnitt deutlich und erzielten ein jährliches Wachstum von 27,8 %, was die breit angelegte positive Entwicklung innerhalb der Branche unterstreicht. Trotz der verbesserten Geschäftslage spürte die Branche weiterhin die Auswirkungen neuer Zollpolitiken, die aus dem anhaltenden Handelskrieg zwischen den USA und China resultieren. In der ersten Hälfte des Jahres 2025 verhängte die US-Regierung sogenannte „gegenseitige“ Zölle, gefolgt von Handelsuntersuchungen nach Section 232 in der zweiten Jahreshälfte, die sich gegen Industriemaschinen und Roboter richteten.
Taiwan Ratings: Abschwächung des BIP-Wachstums auf 2,4 % im Jahr 2026
Die Ratingagentur Taiwan Ratings rechnet für das Jahr 2026 mit einer deutlichen Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Taiwan. Nach einem starken Plus von voraussichtlich 6,7 % im laufenden Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr nur noch um 2,4 % wachsen. Als Hauptgrund nennt Taiwan Ratings eine Abkühlung im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Der rasche Ausbau der KI-Branche treibt derzeit die Exporte an, doch für 2026 erwarten die Analysten nachlassende Investitionen in grundlegende KI-Infrastruktur. Gleichzeitig belasten anhaltende Handelskonflikte, Zölle und Unsicherheiten im internationalen Handel die wirtschaftlichen Aussichten. Auch andere Volkswirtschaften im asiatisch-pazifischen Raum dürften betroffen sein. Ein schwächerer US-Dollar, eine verhaltene Konsumnachfrage in China sowie sinkende Zinssätze in den USA und der Region könnten das Wachstum zusätzlich dämpfen. Nach Einschätzung der Ratingagentur werden steigender privater Konsum und höhere Investitionen nicht ausreichen, um den Rückgang der KI-Investitionen vollständig auszugleichen. Taiwan Ratings erwartet zudem einen leichten Rückgang von Inflation und Zinsen. Der Neue Taiwan-Dollar dürfte weiter an Wert gewinnen. Während der Technologiesektor insgesamt stabil bleibt, sehen die Analysten für traditionelle Wirtschaftsbereiche geringere Chancen auf eine schnelle Erholung.