Verarbeitendes Gewerbe als Haupttreiber des starken BIP-Wachstums Taiwans
Das exportorientierte verarbeitende Gewerbe war in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 der wichtigste Treiber des starken Wirtschaftswachstums Taiwans. Nach Angaben staatlichen Statistikbehörde DGBAS wuchs das Bruttoinlandsprodukt in diesem Zeitraum um 7,15 Prozent. Davon entfielen 4,89 Prozentpunkte beziehungsweise 68 Prozent des Gesamtwachstums auf das verarbeitende Gewerbe, während der Dienstleistungssektor 24 Prozent beitrug. Hauptprofiteure waren die Branchen für elektronische Komponenten sowie Computer- und Optoelektronik, die von der weltweit hohen Nachfrage nach KI-Anwendungen stark profitierten.
Aufgrund des anhaltenden KI-Booms erhöhte die DGBAS ihre Wachstumsprognose für 2025 auf 7,37 Prozent und erwartet für 2026 ein weiteres Wachstum von 3,54 Prozent. Gleichzeitig wiesen Experten darauf hin, dass sich das Wachstum innerhalb des verarbeitenden Gewerbes sehr ungleich verteilt. Kapitalintensive Industrien wie Informationstechnologie und Elektronik verzeichneten steigende Löhne, beschäftigten jedoch vergleichsweise wenige Arbeitskräfte. Arbeitsintensive Dienstleistungsbereiche stagnierten hingegen.
Ökonomen betonten zudem, dass traditionelle Industrien unter US-Zollmaßnahmen leiden und weiterhin Kurzarbeit melden. Da die Elektronikindustrie nur rund eine Million der insgesamt elf Millionen Erwerbstätigen beschäftigt, profitieren viele Arbeitnehmer kaum vom Wirtschaftswachstum. Entsprechend bleibt das Verbrauchervertrauen trotz des starken BIP-Wachstums gedämpft.
2025: Taiwans neue Rekorde bei Exporten, Importen und dem Handelsüberschuss
Taiwan erzielte 2025 Rekorde bei Exporten, Importen und Handelsüberschuss, angetrieben durch die weltweit stark gestiegene Nachfrage nach elektronischen Bauteilen sowie Informations- und Kommunikationstechnologie. Die Exporte stiegen um knapp 35 % auf rund 641 Milliarden US-Dollar, während die Importe um über 22 % auf etwa 484 Milliarden US-Dollar zunahmen. Der Handelsüberschuss verdoppelte sich nahezu auf mehr als 157 Milliarden US-Dollar.
Besonders stark wuchsen die Bereiche IT-, Audio- und Videoprodukte sowie elektronische Komponenten, die zusammen rund 75 % der Exporte ausmachten. Haupttreiber waren Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz und Rechenzentren. Traditionelle Industrien wie Chemie, Metalle sowie Kunststoff- und Gummiprodukte litten hingegen unter einem globalen Überangebot.
Bei den Absatzmärkten kam es zu einer Verschiebung: Die USA wurden erstmals seit 26 Jahren wieder Taiwans wichtigster Handelspartner, während auch die Exporte in die ASEAN-Staaten deutlich zulegten.
Immobilienmarkt Anfang 2026 stabil, aber verhalten
Der taiwanische Immobilienmarkt dürfte Anfang 2026 stabil, aber verhalten bleiben. Das erklärten Experten. Demnach werden die Immobilienumsätze voraussichtlich stagnieren, während die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien weiterhin vor allem vom Technologiesektor getragen wird.
Die Experten verwiesen auf ein weiterhin schwieriges Umfeld: eingeschränkte Finanzierungsbedingungen, eine unveränderte Wirtschaftspolitik, knapper werdendes Bauland sowie eine abkühlende Vorverkaufsphase und strenge Hypothekenregeln dämpfen die Nachfrage. Sollten jedoch die politischen Rahmenbedingungen und die Finanzierung für Eigennutzer gelockert werden, könnten Käufer mit echtem Wohnbedarf neue Einstiegschancen finden. Dies könnte 2026 zu etwas mehr Marktaktivität führen als im Vorjahr.
Für 2025 wird das Transaktionsvolumen derzeit auf rund 260.000 Immobilieneinheiten geschätzt. Ein ähnliches Niveau wird auch für 2026 erwartet, während sich die Preise voraussichtlich nur leicht verändern werden.
Deutlich robuster zeigte sich 2025 der Markt für Gewerbeimmobilien. Das Transaktionsvolumen sei hier um gut sieben Prozent auf rund 159 Milliarden Taiwan-Dollar gestiegen. Treiber waren vor allem Investitionen von Technologie-, KI- und Halbleiterunternehmen. Diese Branchen dürften auch in der ersten Hälfte 2026 die Nachfrage stützen. Allerdings hängt die weitere Entwicklung stark von der Handelspolitik zwischen Taiwan und den USA sowie von der globalen Zinsentwicklung ab. Steigende Spannungen oder strengere Kreditbedingungen könnten den Markt bremsen.
Umsatz der Speicherindustrie steigt 2026 mehr als 40%
Der taiwanische Marktforschungsanbieter DIGITIMES erwartet für die Speicherindustrie ein starkes Wachstum: Der Umsatz soll 2025 um über 20–25 % steigen und erstmals die Marke von 200 Milliarden US-Dollar überschreiten. Treiber sind vor allem die hohe Nachfrage nach HBM im Zuge des KI-Booms sowie Preiserhöhungen bei Allzweck-DRAM- und NAND-Flash-Produkten aufgrund von Angebotsengpässen.Auch für 2026 wird eine Fortsetzung dieses Trends prognostiziert. Anhaltende Engpässe bei HBM und Standardspeichern sollen das Umsatzwachstum auf über 40 % beschleunigen, wodurch ein Branchenumsatz von rund 300 Milliarden US-Dollar möglich wird. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb im HBM-Markt, weshalb Hersteller verstärkt in GDDR7- und HBF-Produkte investieren. Entscheidend wird zudem sein, wie effektiv Produktionskapazitäten weltweit ausgebaut und verteilt werden, um Wettbewerbsvorteile zu sichern.