Ende 2024 hat das erste Mal ein Buch aus Taiwan den Nationalen Buchpreis für übersetzte Literatur in den USA gewonnen. Der Roman mit dem Titel "台灣漫遊錄" oder direkt übersetzt in etwa Reisebericht Taiwan, erzählt über mehrere Metaebenen hinweg von einer japanischen Autorin, die im Jahre 1938, also in der Zeit als Taiwan noch japanische Kolonie war, Taiwan gemeinsam mit einer einheimischen Dolmetscherin bereist, um einen Bericht zu schreiben.
Die Geschichte wird jedoch nicht direkt von der Autorin mit dem Künstlernamen 楊雙子 erzählt. Vielmehr wird dem Leser vorgetäuscht, er lese die Übersetzung des ursprünglich japanischen Reiseberichts. Diese Verschachtelung regt dazu an, neben dem kolonialen Machtgefälle, auch der Macht Beachtung zu schenken, die Sprache, Geschichtschreibung und auch Übersetzung innewohnt.
Über genau diese Themen habe ich mich mit Karin Betz in diesem Interview zur Übersetzungsarbeit des Taiwan Travelogue unterhalten.
Dies ist Teil zwei des Interviews.