Am 3. März ist in Taiwan eine Mondfinsternis zu beobachten. Ein guter Anlass, den Blick nach oben zu richten und sich zu fragen, was da draußen eigentlich passiert. In dieser Folge von Wissenschaft Made in Taiwan ist Prof. Yi-Nan Chin (秦一男) zu Gast, in Taiwan auch als „Einmann“ bekannt. Er ist Astrophysiker und Astronom an der Tamkang University in Danshui und zugleich mein erster taiwanischer Gast im Podcast.
Wir sprechen darüber, was Astronomie und Astrophysik heute unterscheidet und warum diese Trennung in der modernen Forschung kaum noch eine Rolle spielt. Einmann gibt einen Überblick über aktuelle Themen wie Schwarze Löcher, Gravitationswellen und die Suche nach Exoplaneten. Dabei geht es auch um die große Frage, ob Planeten außerhalb unseres Sonnensystems lebensfreundliche Bedingungen haben könnten, und warum es trotz tausender bekannter Exoplaneten bislang keine belastbaren Hinweise auf Leben gibt.
Einmann erklärt außerdem, warum die Kollision von Neutronensternen weit mehr ist als ein spektakuläres Ereignis im All. Solche Verschmelzungen helfen zu verstehen, wie schwere Elemente entstehen und warum es auf der Erde überhaupt Stoffe wie Gold und Silber gibt. Wir sprechen über seine Arbeit mit Radioteleskopen, über Molekülwolken, Isotope und darüber, wie man mit Messungen im Radiofrequenzbereich Prozesse sichtbar machen kann, die dem bloßen Auge völlig verborgen bleiben.
Auch sein persönlicher Weg kommt zur Sprache. Einmann erzählt, warum er für die Promotion nach Deutschland ging, weshalb ausgerechnet Bonn für ihn die richtige Wahl war und wie er den Unterschied zwischen Forschungsbedingungen in Deutschland und Taiwan erlebt. Und am Ende landet das Gespräch bei einer Frage, die viele beschäftigt, aber selten so klar ausgesprochen wird: Wenn das Universum alles umfasst, Raum und Zeit eingeschlossen, kann es dann überhaupt ein „draußen“ geben.
Eine Folge für alle, die den Sternenhimmel nicht nur anschauen, sondern besser verstehen wollen.